| Archiv: PRESSE BERICHTE / AUFSÄTZE |
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Presseerklärung Aktionsforum Marburg, 23.02.00 Schwimmbadplanung am Afföller nur eine Lachnummer? Das Aktionsforum Stadtentwicklung Marburg nimmt die jüngste Diskussion zur Errichtung eines Kombibades erneut zum Anlaß, auf die beklagenswerte Stadtentwicklung in Marburg hinzuweisen. Schon einmal hat ein Oberbürgermeister seine eigenen Vorstellungen von Stadtplanung gegen den Rat von Fachleuten realisisiert: In den 60er Jahren wurde die Gründung eines Stadtteils auf dem Richtsberg von dem damaligen OB Gaßmann als "persönliche Entscheidung" durchgesetzt. Dies gelang ihm damals relativ leicht aufgrund der personellen Verflechtung der Entscheidungsträger, So war z.B. der RP in Kassel, der die Änderung des Flächennutzungsplanes zu genehmigen hatte, zu gleicher Zeit Aufsichtsratsvorsitzender der Hess. Heimstätte - der Geschäftsführer der örtlichen Zweigstelle der Hess. Heimstätte war gleichzeitig Vorsitzender der Baudeputation der Marburger Stadtverordnetenversammlung. Trotz heftiger Widerstände wurde auf abenteuerliche Weise das Projekt Richtsberg realisiert. Dies geschah z.T. unter Täuschung des Stadtparlaments - Übergehen des Forstamtes - Verschleierung der Rolle der Hess. Heimstätte - ungenügende Aufklärung der Öffentlichkeit - (ein von der damaligen FDP durchgesetzter Architektenwettbewerb wurde von der Verwaltung und dem OB torpediert) und ohne jede Bürgerbeteiligung. Der Versuch des OB Möller, seine Vorstellung von Stadtplanung durchzusetzen, ähnelt in fataler Weise den damaligen Vorgängen, auch wenn die Motive heute anders gelagert sind. Ein Vorschlag des OB, am Afföller ein Erlebnisbad zu errichten, wurde von den GRÜNEN als "Lachnummer" bezeichnet. Wenn man die Hintergründe betrachtet, vergeht einem allerdings das Lachen. Anläßlich der Einweihung des Rosenparks hat der OB gönnerhaft wie ein Territorialfürst dem Mehrheitsaktionär der Deutschen Vermögensberatungs AG (DVAG) und Milliardär Dr. Reinfried Pohl freie Grundstücke in der Stadt angeboten, damit er weitere Investitionen tätigen kann (OP vom 12.02.00). Ein Investor, der der CDU in den 90er Jahren mehrmals Partei-Spenden um 50.000,— DM im Jahr und 1997 und 1998 insgesamt 274.000,— DM großzügig zukommen ließ (Spiegel vom 14.02.00), soll offensichtlich auf diese Weise weiterhin belohnt werden. Es ist nicht ohne Delikatesse dabei zu wissen, dass der frühere Hess. Ministerpräsident Walter Wallmann (CDU) im DVAG-Beirat sitzt; der frühere Kanzleramtschef Friedrich Bohl (CDU) Generalbevollmächtigter der DVAG und der ehemalige Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestages,
Friedhelm Ost (CDU) ebenfalls Generalbevollmächtigter der DVAG mit einem Jahresgehalt von l Million Mark ist (OP vom 21.02.00). Mit einem Erlebnisbad am Afföller würde nicht nur das Ambiente des Rosenparks für den Besitzer kostenlos aufgewertet, auch die dann freiwerdenden Grundstücke des Sommerbads am Trojedamm würden dem Investor Pohl überlassen, um mit 4-geschossigen Eigentumshäusern bebaut zu werden! Die Pläne sind bereits fertig! Dabei wird nicht davor zurückgeschreckt, Grundbesitzer am Afföller nahezulegen, ihre Grundstücke zu veräußern. Zweimal mußte eine Grundstücksbesitzerin dabei mit Nachdruck den Mitgliedern des Stadtparlaments mitteilen, dass sie ihr seit 100 Jahren in Familienbesitz befindliches Grundstück auf keinen Fall verkaufen will. Weitere Subventionen aus dem Steueraufkommen der Bürger sind bereits im städtischen Haushalt 2000 als Verpflichtungsermächtigung vorgesehen. 300.000,— DM stehen dort für den kostenaufwendigen Ausbau der Rosenstraße, die zum 5-Sterne-Altenheim/Hotel Rosenpark führt, bereit. Das Beispiel zeigt erneut, wie dringend nötig es ist, die Stadtplanung durch Parlament und Bürgerbeteiligung zu kontrollieren. Sonst wird es immer wieder passieren, dass am Willen der Bevölkerung vorbei persönliche Interessen von politisch Verantwortlichen durchgesetzt werden. Das Vorhaben des OB ist nicht nur eine Lachnummer, sondern ein Skandal. Verunstaltungen und Gestaltungsvorschriften in Marburg 1904-1986 Proteste gegen die Stadtbildzerstörung 1904-1907 Mit einem kurzen, ironischen Artikel im „Kunstwart", einer in München herausgegebenen überregionalen Kunstzeitschrift, begann 1904 die öffentliche Diskussion um Marburgs Stadtgestaltung. Der Anlaß für diesen Artikel war die Einrichtung einer Reklamewand vor einer Sandsteinmauer am oberen Steinweg.
Der Eigentümer dieser Mauer ließ daraufhin Anzeigen in den Marburger Zeitungen erscheinen, worin er dem Kunstwart für die Reklame dankte. Er hatte allerdings nicht mit einer Aktion der Marburger Studenten gerechnet. Diese nämlich machten bekannt, daß sie die auf der Tafel genannten Firmen boykottieren würden, und binnen kurzem sah die Mauer wieder wie früher aus. Mit der Notiz im „Kunstwart" setzte eine Kette von öffentlichen Angriffen auf gestalterische und städte bauliche Fehlentscheidungen in Marburg ein, mit deren Intensität und Erfolg sowohl die solidarisierte Studentenschaft als auch die Stadtverwaltung, an der Spitze Oberbürgermeister Schüler, nicht gerechnet hatten. Zwar gab es schon früher Unmutsäußerungen in den Zeitungen und in der Stadtverordnetenversammlung über Baumfällaktionen in
der Südstadt und über Großbauten wie zwei neue Schulen in der Uferstraße. Die Baumfällmaßnahmen des Oberbürgermeisters wurden aber bald akzeptiert, insbesondere weil die Bäume in der Fahrbahn der Schwanallee gestanden hatten, und die Vorhaltungen gegen die Architektur der Schulen wurden von der Bevölkerung nicht völlig
mitgetragen, weil sie von den zu kurz gekommenen heimischen Architekten und Unternehmern vorgebracht wurden. Aber gegen derart konzentrierte Angriffe, wie sie bald nach dem Kunstwart-Artikel formuliert wurden und die 1907 erneut reichsweite Publizität bekamen, mußte sich die Stadtspitze bis dahin noch niemals wehren. Wahrscheinlich waren diese Vorhaltungen neben Differenzen wegen der Grundstückspolitik - auch ein Anlaß für Oberbürgermeister Schüler, sein Amt niederzulegen. 1905 beklagte der streitbare Louis Müller in der Oberhessischen Zeitung die geschlossene Bauflucht in der Biegenstraße als Chinesische Mauer und
forderte, man müsse in Zukunft die geschlossene Bebauung mit 4stöckigen Häusern aufgeben. Einen gleichen Antrag stellte der Verschönerungsverein. Bald danach beschwerte sich Müller über die Elektrizifizierung, die mit ihren dicken Beleuchtungsmasten und Bündeln von Freileitungen die Stadt verunziere: ... (aus Hessische Heimat, 37.Jg. Heft 4) Oberhessische Presse Marburg: Altes Gutachten spricht Mitgliedern des „Aktionsforums" aus dem Herzen Initiative gegen Einkaufszentrum erinnert an städtebauliche Vorgaben von 1987 Marburg. In einem Brief an den Marburger Magistrat erinnert des „Aktionsforum Stadtentwicklung Marburg", das sich gegen ein Einkaufszentrum auf dem Feeser-Gelände am Erlenring wendet, an Aussagen aus einem
städtebaulichen Gutachten von 1987. Dessen Grundaussagen seien „missachtet und geradezu auf den Kopf. gestellt worden". In der Einleitung zu dem Gutachten, das die Vorschläge von sieben Architekten und Planungsgruppen für den Bereich zwischen Rudolphsplatz und Stadtautobahn enthalt, sprach der damalige Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler noch von einem geplanten „Kulturband". Vorgesehen waren unter anderem ein neuer Theaterstandort, ein studentisches Kulturzentrum und eine Kulturhalle. Als weitere mögliche Bausteine waren genannt: ein Hotel, Wohnbebauung, Verwaltungsgebäude und ein Freizeitbad. „Trotz der zentralen Lage des Gebiets sind keine Einzelhandelsflächen vorgesehen worden, um keine Konkurrenz zu den bestehenden Einkaufsgebieten, deren räumliche
Ausdehnung bereits problematisch ist, entstehen zu lassen", schrieb Baudezernent Professor Jürgen Gotthold damals. Entgegen der damaligen Aussagen zum Einzelhandel, die auch der frühere Leiter des Stadtplanungsamtes, Diethelm Fichtner, bekräftigte, sind solche Flächen im Lahn-Center und im Erlenring-Center bereits entstanden, auf dem ' Schlachthof-Gelände im Bau und auf dem Feeser-Gelände geplant. „Wir könnten unsere Ziele kaum besser formulieren", schreiben die Vertreter des „Aktionsforums" zu dem alten Gutachten. Zudem betonen sie, dass ihre Schreiben an den Magistrat mit einer Reihe von Fragen zum Feeser-Projekt bislang nicht beantwortet sei». • Das Aktionsforum Stadtentwicklung Marburg" trifft sich jeweils montags ab 19 Uhr im Raum der Johanniter,Weidenhäuser Straße 34.
Presseerklärung (Sperrfrist 14.1.2002): Bürgerinitiativen für Stadtbild und Stadtentwicklung schließen sich zusammen. Nachdem sich Proteste Marburger Bürger gegen unsinnige und unästhetische Planungen und Bauten in der Stadt immer wieder in spontanen und temporären Bürgerinitiativen gesammelt hatten, will man jetzt mit vereinten Kräften mehr Einfluß auf aktuelle und kommende Gestaltungen nehmen. Auf Initiative des „Aktionsforums Stadtentwicklung Marburg“, das sich besonders gegen die
gigantöse Bebauung des Feeser-Geländes gewandt hatte, trafen sich Anfang Dezember interessierte Bürger und Mitglieder von Bürgerinitiativen. Ziel der neuen Initiative soll es sein, kritischen und öffentlichkeitswirksamen Einfluß auf Stadtentwicklung und Planung zu nehmen. Damit wird sie an die Motive der bereits 1970 gegründeten Initiativgruppe Marburger Stadtbild anknüpfen, deren Grundungsmitglieder Dr.Rexroth und J.Chanel der neuen Initiative ebenfalls angehören werden. Ihre inzwischen aus Altersgründen aufgelöste Initiative war in Sorge um den Erhalt wertvoller Gebäude in Marburg entstanden. Sie forderten die Aufklärung von Bewohnern und Behörden, wie durch Fehlplanungen und unnötige Abrisse wertvoller historischer Bauten das Marburger Stadtbild schwer geschädigt wurde. Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen und noch immer hat Marburg ständig den weiteren Verlust wertvoller Bausubstanz und Stadtviertel zu beklagen, ohne dass das Stadtbild durch Neubauten (bis auf wenige Ausnahmen) an Qualität gewonnen hat. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich gerade in jüngster Zeit immer wieder öffentlich zu Wort gemeldet, sei es durch Leserbriefe in der Presse oder bei Veranstaltungen. Die neue Initiative versteht sich als eine Bündelung aller kritischer und wacher Kräfte, von Einzelnen und Organisationen , in einen synergetischen Prozess dauerhafter demokratischer Mitwirkung an der Stadtgestaltung und Entwicklung Marburgs. Bereits im vorbereitenden Treffen waren auch Architekten, Kunsthistoriker, Soziologen, Parlamentarier vertreten. Die Initiative soll offen für kritische Bürgerinnen und Bürger und bereits bestehende Bürgerinitiativen und Organisationen sein. Wie Bundesverdienstkreuzträger Angus Fowler betonte, sei gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Stadt Marburg erneut um das Prädikat Weltkulturerbe bei der Unesco bewerbe, dringen geboten, die Baukultur dieser Stadt deutlich zu verbessern. Nicht die Interessen der Investoren dürfen bei der Stadtplanung dominieren, sondern der Erhalt und die Pflege des Stadtbildes. Bei geplanten Neubauten und Lückenschlüssen muss die Qualität der Architektur deutlich verbessert werden und darf das Gesamtensemble dieser Stadt nicht weiter schädigen. Deutlich abgrenzen möchte sich die neue Initiative aber von einem historischen Puppenstuben Konservativismus und betont, dass das historische Stadtbild sich durchaus auch mit moderner Architektur ergänzen würde. Die Qualität sei entscheidend. All Marburgerinnen und Marburger, die an der Stadtbildentwicklung interessiert sind, sind zum nächsten Treffen der Initiativgruppe am 24.Januar um 19 Uhr bei Theo’s (ehem.Cafe Fritz) an der E-Kirche herzlich eingeladen. Dabei soll u.a. ein Alternativvorschlag für die Planung des Geländes zwischen Kunsthalle und Dresdner Bank vorgestellt und diskutiert werden. Bereits in Betrieb ist eine Internethomepage zu Stadtbild-Fragen, in der man Informationen über Brennpunkte der Planung sowie Archive bisheriger Aktionen des Aktionsforums nachschlagen kann. Ein Diskussionsforum lädt zum Mitdiskutieren ein. Ausserdem werden hier die Protokolle der Meetings veröffentlicht und neue Termine bekannt gegeben. (www.stadtbild-marburg.de) Marburg, den 11.1.2002 Verantwortlich: Initiativgruppe Marburger Stadtbild und Stadtenwicklung i.G. (IG MSS) c/o Büro Förderkreis Alte Kirchen , Telefon 27322 G.Haberle – A.Fowler – C.Schreiner
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